Transparent geblockt

Blockchain - die transparente Datenkette (Bild: Hakatai/Wikipedia/gemeinfrei)

Blockchain – Eine offene, transparente Kette aus Datenblöcken revolutioniert die Industrie.

Industrie- und IT-Experten sind sich einig: Die nächste IT-Revolution steht bevor, und sie hört auf den Namen Blockchain. Worum es sich bei der neuartigen, im Internet verteilten und serverlosen Datenbank genau handelt, wie die Technik dahinter funktioniert, warum sich auch die größten Unternehmen dafür engagieren und ob die neue Technologie das Potenzial hat, Wirtschaft und Gesellschaften zu verändern, darum dreht sich eine ganze Session im Panel "Industrie und Dienstleister" der Open! 2016 - Konferenz für digitalte Innovation in Stuttgart.

Am 7. Dezember treffen sich Experten aus Industrie, Wissenschaft und IT, um bei der OPEN! 2016 zu (er)klären, ob die Blockchain Hype oder ein echter Game-Changer ist, welche Rolle Verschlüsselung und Peer-to-Peer-Netzwerke dabei spielen und warum immer mehr Branchen der Meinung sind, die Kette aus verschlüsselten Informations-Blöcken lasse sich für neue und alte Geschäftsmodelle gewinnbringend einsetzen.

IBM investiert

Beispiele dafür gibt es viele: Im Februar 2016 war es wieder einmal IBM, die eine ganze Branche aufhorchen ließ: 200 Millionen Dollar wolle man in die Blockchain-Technologie investieren, um dem Künstliche-Intelligenz-Projekt "Watson", einem intelligenten Superrechner aus dem Hause IBM, mehr Leistung zu verleihen.

Wenig überraschend, steht IBM dann auch nicht alleine da. Die Krypto-Kette kommt immer mehr im professionellen IT-Umfeld an, Zukunftsforscher definieren sie gar als Grundlage für ein "Internet der Werte". Und auch der Multimilliardär und Virgin-Gründer Richard Branson ist fest überzeugt: Eine ökonomische Revolution stehe uns bevor, erklärt er auf der Bitcoin-Nachrichten-Webseite Cryptocoins und verweist auf den positiven Einfluss, den auch die Blockchain-Währung Bitcoin, etwa in Entwicklungsländern haben werde, wenn es um die Nachvollziehbarkeit von realen Eigentumsrechten gehe. In der dritten Welt könne man nicht davon ausgehen, dass es verbindliche Urkunden für jeden Grundbesitz gebe, erklärt Branson, und hier könne die Blockchain als nachvollziehbare und unfälschbare Kette von Eigentümern wie eine digitale Brieftasche agieren, vor allem – aber nicht nur – in der dritten Welt, wo es keine Kataster oder Grundbuchämter gebe.

Banken im Boot

Die großen Banken haben die oben erwähnte Kryptowährung Bitcoin schon länger
auf dem Radar. Fleißig testet man, selbst die US-Notenbank "Fed"  beobachtet die Entwicklungen um die Blockchain interessiert; die amerikanische Börse, allen voran die amerikanische Technologiebörse NASDAQ, ist dabei und auch die Großbank JP Morgan weiß bereits, dass von  den verfügbaren Blockchain-Technologien das private Blockchain-Derivat Etherum Quorum für sie am besten geeignet ist.

Berühmtheit – wenn auch teils fragwürdige – erreichte das Blockchain-Konzept durch die anonyme Internetwährung Bitcoin. Anders als beim herkömmlichen Bankwesen läuft der Geldtransfer hier digital und über eine dezentrale Blockchain-Datenbank ab, was vor allem im Umfeld von illegalen Einkäufen für Aufsehen sorgte. Diese, von Open-Source-Entwickleren entwickelte, virtuelle Währung, hat ein enormes gesellscahftsveränderndes Potenzial, basiert sie doch auf dem Blockchain-Konzept.

Politik, Healthcare, Musik

Auch Politik, Versicherungen oder die Musikindustrie haben das Thema identifiziert und arbeiten an Implementierungen oder Lösungen: Die Vereinten Nationen, die Regierung von Dubai oder Consultingspezialisten sehen großes Potenzial in Gutachten wie dem vom renommierten Beratungsunternehmen Deloitte erstellten "Blockchain: Opportunities
for Healthcare"
. Und auch der  siechenden Musikindustrie wäre geholfen, setzte sie nur richtig auf
die Blockchain, schreibt Ben Dickson auf Techcrunch. Der Technologie scheinen demnach keine Grenzen gesetzt.

Neue Werte und die Frage des Vertrauens

Wenn ein IT-Trend in diesem Maße branchenübergreifende Relevanz bekommt, stellt sich aber auch zwangsläufig die Frage: Ist das nur ein weiterer Technik-Hype oder kann die Technologie der verteilten und verschlüsselten Datenkette zwei der fundamentalen Probleme des Internets lösen: Die Entwertung durch die beliebige Kopierbarkeit von Inhalten sowie die dem Internet immanente Vertrauenslücke. Gehen die Grenzkosten gegen Null, braucht es neue Knappheit, um Werte zu schaffen - das wusste bereits der Open Source-Vordenker Eric S. Raymond in seinem Essay "The Cathedral and the Bazaar".

Weiter noch gehen die Entwickler der Blockchain, die Ubiquität, Transparenz und regelbasierte Systeme einführten, um mit Hilfe von Verschlüsselung und dezentraler Speicherung dem Internet die Vertrauenswürdigkeit zurückzugeben. Das Ganze ist offen und frei und in Open-Source-Technologien implementiert. Experten scheinen sich einig was das Potenzial angeht - ein guter Zeitpunkt, um (sich) auf der Open! 2016 kritischen Fragen zu stellen.

Auf dem Weg zum universellen Logbuch

Die Kryptowährung Bitcoin ist nur eine Anwendung von vielen beim Thema Blockchain. Auch Elektronische Verträge, Rechnungen, Bankkonten, könnten entbürokratisiert werden. Und auch die von Branson erwähnten, stets und ohne jedes Dokument nachweisbaren Eigentumsurkunden oder Ausweise sind eine weitere Seite der Medaille. Andreas Neef von der Foresight Company schreibt dazu: "Die Blockchain führt ihrer Idee nach alle Aktenordner der Welt in einem universellen Logbuch zusammen".

Autor: Markus Feilner, SUSE Linux GmbH