Thesenpapiere – Präambel

Unternehmen, Politik und Gesellschaft sind gewaltigen Veränderungsprozessen unterworfen. Angetrieben durch die Digitalisierung verändern sich diese Bereiche in einem nie gekannten Tempo. Dies birgt enorme Chancen, denn die Welt von heute ist stark vernetzt: Offenheit und Transparenz gehört die digitale Zukunft.

Das erfolgreiche Prinzip Open Source ist die eindeutige Antwort auf die Herausforderungen der fortschreitenden Digitalisierung. So steht Open Source richtungsweisend für eine Kultur der Offenheit und Chancengleichheit.
Die OPEN! 2015, Konferenz für digitale Innovation, will – ausgehend vom Erfolgsmodell Open Source – die Open-Bewegung in weiteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen etablieren. Wie sehen erfolgreiche Open-Geschäftsmodelle aus und wie können Open-Bewegungen voneinander lernen?

Offener Wissensaustausch ist eine wichtige Voraussetzung für die Generierung von Ideen und die Verbreitung von Innovationen. Durch Offenheit werden Innovationsprozesse gefördert und sichergestellt. Die verschiedenen Open-Bewegungen sind ein Innovationstreiber in Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Kultur. Die OPEN-Bewegungen fördern das Zusammenarbeiten und Teilen.

In diesem Sinn soll die „Stuttgarter Erklärung“ Impulsgeber sein für den dynamischen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel durch die Digitalisierung. Denn durch das Öffnen von Daten, Informationen, Wissen und Ressourcen sind Wirtschaft und Gesellschaft erfolgreicher und innovativer.

Es gilt, ein stärkeres Bewusstsein für eine Kultur der Offenheit zu schaffen. Die „Stuttgarter Erklärung“ möchte hierzu eine öffentliche Diskussion zu allen relevanten Open-Themen anstoßen. Denn eine Gesellschaft der Offenheit ist eine Gesellschaft mit Zukunft!

Beteiligen Sie sich an der offenen Diskussion über die Schwerpunktthemen der OPEN! 2015 – Konferenz für digitale Innovation.

Zu den Schwerpunktthemen der OPEN! 2015 – Konferenz für digitale Innovationen wurden im Vorfeld der Veranstaltung Thesenpapiere erstellt, die hier und bei der Konferenz diskutiert und kommentiert werden können:

Die Schwerpunktthemen sind:

Kommentare (6)

Adela Trstenjak am 23.11.2015

Wer hat Angst vor 4.0? - Die große Angst vor dem Kontrollverlust
Wer auf den Megatrend „Industrie 4.0“ mit aufspringen will, sollte den Fokus nicht nur auf die technische Umsetzung und die Vernetzung der Produkte und Dienstleistungen legen, sondern auch die eigentlichen Adressaten, die internen und externen Stakeholder, nicht aus dem Blickwinkel verlieren. Denn die Mitarbeiter der Unternehmen ermöglichen es erst, dass Unternehmen Industrie 4.0-Lösungen anbieten können. Die Kunden auf der anderen Seite sollen die Lösungen und Produkte auch kaufen wollen und deren Mitarbeiter wiederum sollten diesen positiv gegenüber stehen.
Die neuen technischen Möglichkeiten der Erhebung, Speicherung und Verwendung von sensiblen Daten bringen große Verunsicherung sowohl auf Kunden-, als auch auf Mitarbeiter-Seite mit sich. Der Kunde fühlt sich gegenüber Zulieferern gläsern und hegt Bedenken bzgl. der Erhebung und möglichem Missbrauch von firmeninternen Daten. Die Furcht vor Kontrollverlust auf Kunden- und die vermeintliche Kontrollübernahme auf Zuliefererseite hemmt die Kunden.
Der Mitarbeiter, sowohl auf Anbieter- als Kundenseite, steht dem potentiellen „Jobkiller 4.0“ skeptisch gegenüber. Die Angst, dass 4.0-Technologien Jobs wegrationalisieren könnten, ist groß. Kein Unternehmen kann sich Wiederstand, bei der Entwicklung und Implementierung von 4.0-Lösungen leisten, was sie brauchen um erfolgreich zu sein sind Verbündete in den eigenen Reihen.
Wie kann man den Ängsten der Stakeholder begegnen und diese kommunikativ angehen?
Welche Grundbedingungen im Marketing/Kommunikation müssen geschaffen werden, um den Wandel aktiv mitgestalten zu können?
Wie können solche vertrauensbildende Maßnahmen aussehen bzw. gestaltet sein?

 

Thomas Christinck am 03.12.2015

Ich würde mir wünschen, dass die einzelnen Abschnitte knackige Überschriften bekommen und der/die Kernpunkte in einem Satz oder einem kurzen Abschnitt am Anfang des jeweiligen Abschnittes stehen.

Die 4 Abschnitte beginnen bisher mit einer recht neutralen Überschrift und dann einem weit ausholenden ersten Abschnitt.
Viele Leser werden abspringen "tl;dr" ...

 

Karsten Reincke am 04.12.2015

Ich halte eine Erklärung in Sachen gesellschaftspolitischem Zweck und wirtschaftlicher Wirkung von Open Source im besonderen und des Prinzips ‚Open‘ im allgemeinen für wirklich hilfreich. Es müsste ein Manifest sein, mit dem Willen geschrieben und gestaltet, die intendierten Leser zu erreichen.
Die vorliegende Form der ‚Stuttgarter Erklärung‘ ist unerträglich geschwätzig. Sie ist geprägt von schlechtem Deutsch, von Phrasendrescherei, unlogischen Zusammenhängen und arrogantem Formulierungen. Und sie hat keine erkennbare Botschaft. Ein bekanntes Bonmot beschreibt die Situation treffend: „Was nicht auf einer Seite zusammengefasst werden kann, ist weder durchdacht, noch entscheidungsreif“ (Eisenhower).
Zu allgemein? Nun denn, Beispiele sind leicht zu finden:
(a) Präambel 1. Absatz: „Dies [die durch die Digitalisierung bedingt Veränderung] birgt enorme Chancen, denn die Welt von heute ist stark vernetzt: Offenheit und Transparenz gehört die digitale Zukunft.“ Wieso ist die starke Vernetzung irgend irgendwie ursächlich („denn“) für die Chancen zuständig? Und wie so folgt daraus („Doppelpunkt“), dass „Offenheit und Transparenz […] die digitale Zukunft (gehört)“. Dies alles ist scheinlogisches BlaBla.
(b) Open Source, 4. Absatz: „Open-Source-Produkte überzeugen gegenüber proprietären Lösungen, denn sie nutzen grundsätzlich nur offene Standards und offene Schnittstellen.“ Wenn Sie überzeugen, müsste sie in der Erklärung nicht mehr thematisiert werden. Arggg.
(c) Open Data 3. Absatz: „ Bund, Länder und Kommunen […] müssen sich nun die Frage stellen, welchen Beitrag sie zum Nationalen Aktionsplan Open Data leisten wollen. Zugleich werden wir Antworten liefern müssen […]“. Das ist arrogant. Wieso müssen Bund etc. das? Und wer sind wir, dass wir ihnen das sagen? Und wieso brauchen wir uns das nicht zu fragen, sondern können gleich zu den Antworten übergehen? So etwas kann sprachlich viel gewinnender formuliert werden.
(d) OER, 1 Absatz „Darüber hinaus kommen […] hinzu“. Was hinzukommt, kommt immer darüber hinaus dazu. Arrggg.
(e) OER, 1 Absatz „Unter dem Begriff [… OER] wird die Idee verfolgt, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden.“ Wichtigtuerische Sprache: Seit wann wird eine Idee unter einem Begriff verfolgt, und seit wann ist es eine Idee, Lösungen zu finden. Gemeint war einfach nur: „Zur OER gehört die Suche nach entsprechenden Lösungen.“
(f) Modell: 1. Absatz: Was für ein Monstersatz gleich zu Anfang. Wer ihn nach 3 maligen Lesen verstanden hat, wird nicht mehr weiterlesen wollen.
(g) Modell, 1. Absatz: „Da Fortschritt mittlerweile eine enorme Komplexität erreicht hat, wird Offenheit zur immer wichtigeren Grundlage, um Neuerungen aufzugreifen und um auf globalem Niveau eigene Akzente zu setzen.“ Wann war Fortschritt je nicht komplex? Nur aus der arroganten Rückschau erscheint uns dieser ‚einfach‘. Und wieso wird Offenheit in der Konsequenz („da … hat, wird …“) zu immer wichtigeren Grundlage? Und wieso „zur immer wichtigeren“? Reicht die aktuelle Wichtigkeit nicht? Und welchem nicht trivialen Sinne ist Offenheit einen Grundlage, um [Zweck] Neuerungen aufzugreifen? Und was bitte ist das für ein erstrebenswerter Zweck „auf globalem Niveau eigene Akzente zu setzen“?
Käthe Hamburger hat mal gesagt: "wer schlecht schreibt, denkt schlecht". Es ist ärgerlich, dass die Chance zu so einem ‚Manifest‘ hier so leichtfertig vertan wird. Und besonders ärgerlich ist das, weil in den 5 Teildokumenten in ihrer jetzigen Form durchaus gute und wichtige Aspekte erfasst und verknüpft sind. Nur werden diese die Adressaten nicht erreichen. Solch ein Geschwurbel werden Politiker und Entscheider nicht lesen.
Dabei wollen wir doch was von denen. Wir wollen, dass sie das Prinzip Open erkennen und anerkennen. Wir wollen, dass sie ihr Handeln entsprechend ausrichten. Und wenn wir etwas wollen, müssen wir das so formulieren, dass es sie erreicht. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.
Wie könnte das aussehen? Nun:
1) Alles, was gesagt werden soll, kommt auf eine DinA4 Seite.
2) Das obere Drittel ist eine Zusammenfassung in Form von 7 knackigen Thesen. Ein gutes Vorbild wäre das agile Manifest.
3) Die unteren beiden Drittel konkretisieren das in 7 kurzen Absätzen: zwei für die Präambel, je einen für die 4 Themen, eine Gesamtschlussfolgerung.
Dann würde die ‚Stuttgarter Erklärung‘ zu einem Manifest der Offenheit, es würde wahrnehmbar und wahrgenommen, es wäre zitierbar.
Was meine ich also: In ihrer jetzigen Form darf die OSBA diese Erklärung nicht unterzeichnen. Sie macht sich damit lächerlich. Wohl aber könnte man zu einer eintägige Redaktionssitzung einladen und die o.a. Manifestform erarbeiten.
Nun denn…
PS.: Peinlich und zugleich bezeichnend ist, dass diese ‚Stuttgarter Erklärung‘ in ihrer jetzigen Form als Browserseite von einem Firefox aus nicht ganz ausgedruckt werden kann, wohl aber vom Internetexplorer.

 

Peter Ganten am 05.12.2015

Diese Erklärung hat ein sehr großes Potential, denn sie kann handfestes Ergebnis der Open! 2015 sein, hinter das sich unterschiedliche Stakeholder stellen. Deswegen halte ich sie für sehr wichtig.
Ich möchte mich dem Kommentar von Herrn Reincke weitgehend anschliessen, auch wenn ich es in freundlicheren Worten ausdrücken würde. Und ich möchte mich bei Denjenigen bedanken, die die Erklärung erstellt und in die vorliegende Form gebracht haben. Es ist immer einfacher, eine Kritikvorlage zu kritisieren, als selbst eine zu erstellen.

Wir haben ja versucht, die Erklärung für den Open Source Day aufzubereiten und damit eine Reihe von Problemen gehabt:
- Die Erklärung muss unabhängig von der Open! 2015 sein, alles was beschreibt, warum es die Open! 2015 gibt, sollte also raus. Auch sollten in der Erklärung keine Fragen gestellt werden, auch keine rhetorischen.
- Der Abschnitt zu Open Source Software bezieht sich aus meiner Sicht viel zu sehr auf Industrie 4.0 / IoT. Open Source ist ein weit universeller funktionierendes Prinzip, ein Satz, der auf Industrie 4.0 Bezug nimmt, ist aus meiner Sicht ok, aber das sollte reichen.
- Der Abschnitt Open Data ist in seinen Handlungsempfehlungen aus meiner Sicht nicht konkret genug. Inkubatoren und Ideenwettbewerbe sind gut, aber das reicht nicht. Was ist mit Transparenzgesetzen und standardisierten Datenformaten?
- Der Abschnitt zu OER enthält meiner Ansicht nach überhaupt keine Aussage, sondern nur eine Definition und eine Idee davon, warum OER nützlich sein könnten. Durch die Aussage, dass das Konzept nicht überstrapaziert werden soll (was genau soll nicht überstrapaziert werden), wird alles was davor steht aber zu Nichte gemacht.
- Der Abschnitt Geschäftsmodelle sagt aus meiner Sicht nicht wirklich etwas über Geschäftsmodelle aus. Evtl. ist in dem entsprechenden Panel auf der Open! etwas sinnvolles herausgekommen, was da aufgenommen werden kann, ansonsen würde ich das komplett in Frage stellen.

Viele Grüße,

Peter Ganten

 

stk am 08.12.2015

Wenn hier schon so viele Verbesserungsvorschlaege kommen: Gibt es denn einen Prozess, die auch einzubauen? Gibt es ueber diese statische Seite hinaus irgendeine Moeglichkeit, sich noch zu beteiligen? Den Text als Repository auf Github o.ae.?

 

Ulrich Winchenbach am 09.12.2015

Die Stuttgarter Erklärung wird Anfang 2016 von einem Redaktions-Team mit Verterter*innen der Veranstalter und des Programmbeirats bearbeitet und anschließend veröffentlicht. Die Kommentare, weitere Hinweise und Ergebnisse der Konferenz soll möglichst umfassend berücksichtigt werden.